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3. Sonntag nach Trinitatis 17.6.2018
Pfr. J. Coburger über 1. Johannes 1,5-8


„Es werde Licht.“ Gottes erstes Schöpfungswort. Was können wir daraus sehen, denn es hätte ja auch ein anderes schöpfendes, schaffendes Wort sein können. Weil Licht scheidet, weil Licht trennt, weil überall wo Gottes Licht hineinfällt, sein Gericht aus Liebe und Leben deutlich hervortritt. Er zeigt sich so, wie er ist. Was er will und wo es mit uns hinauslaufen soll; ins Leben. Für unsere Zeit ist gerade der große Hype, Unterschiede zu verwischen und einzuebnen, Unterschiedliches nicht mehr gelten zu lassen, das Angesagte. Die Schöpfung aber und Gottes ganzes Liebeswerk beginnt mit Trennung und Unterscheidung. Sein vom Nichtsein, Leben vom Tod, bedrohliches Tohuwabohuo von paradiesischer Geborgenheit, Wasser vom Festland… Und Gott sprach: „Es werde…“

Hier nun fällt ein grundlegender Satz: „Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis“
Die drei Johannes-Briefe setzen sich auch mit dem auseinander, was damals schick und angesagt war. Es war so, dass die Menschen sozusagen objektiv an ETWAS glaubten, nicht aber persönlich an JEMAND. Gott ist keine Person, eine menschengewordene schon gar nicht, sondern eine Idee. Gott ist nicht, Gott wird… so sagten sie. Die Frage nach der Vergebung der Schuld, nach Sünde und Gnade tritt zurück wird von der Frage nach dem Sinn des Lebens und nach Glück ersetzt. So etwa, als könnte ich heute eine einigermaßen niveauvolle Predigt über Licht im Allgemeinen halten, und wie lebenswichtig das ist, und auch ein wenig esoterisch werden. Nun sei auch alles Verneinende, Negative, Nichtige, Böse aufgenommen und damit aufgehoben in Gott.
Gott hat zwei Gesichter, eine dunkles, fremdes, wie es sich in Natur und Geschichte zeigt, und ein offenbares, in dem das Dunkle aufgehoben ist. Wir schließen von uns auf Gott. Etwas sportlich: „Was ich denk und tu, trau ich dem Herrgott zu“

II


Dagegen richtet sich die Kernaussage: Gott ist Licht. Der Satz ist nicht umkehrbar.
Es heißt nicht: Licht ist schon Gott. Sondern: „Gott ist Licht und ihm ist keine Finsternis“ So hatte es Paulus in 2. Kor. 1,19 gemeint: „Jesus Christus, den wir unter euch verkündigen, war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm“ Unsere Zeit tut sich dennoch schwer damit. Alles Eindeutige steht unter Verdacht. Wer einmal auch eine Antwort hat, wird sofort unter Ideologieverdacht gestellt. Wir haben bei uns beschlossen, Gott muss einfach auch finstere Seiten haben, ein Gott zumal, der von Abraham verlangt, seinen Sohn Isaak zu opfern… etc. Dazu schrieb vor vierzig Jahren der Psychoanalytiker Tilman Moser das viel verbreitete Buch: „Die Gottesvergiftung“ heißt es : „Diesen Gott wollte ich am liebsten in der Luft zerreisen“ Ja, so ist das eben, wenn wir die Blickrichtung eigenmächtig verdrehen, nämlich von uns her auf Gott hin schließen, anstatt, dem Evangelium gemäß, von Gott her auf uns blicken. Das klingt bloß ähnlich, ist aber grundlegend ein anderer Blickwinkel. Tilman Moser würde ich antworten, nenne dein Buch eher „Die Gottesverwechslung“. Nein, wir brauchen nicht, wie unterstellt, einen lieben Gott, sondern einen liebenden.

Sich mit seinen Augen sehen lässt aufatmen. Es ist vollkommen illusionslos. Gottes Wort muss uns immer wieder ent- täuschen, damit alle Selbstgerechtigkeit und Lüge, alles eigene, harte und brutale Denken des Menschen über den Menschen ein Ende hat. Wenn dieses Licht in unser Leben fällt, schmerzt es zunächst. Ja, Gottes Liebe hat etwas Erschreckendes, niedlich und kuschelig in Wellness- Temperatur ist das nicht. Wir werden, wie Paulus, vom hohen Ross heruntergeholt. Ohne Maske stehen wir vor ihm. Endlich. Maskieren habe ich einfach so satt. Schön ist das in Psalm 139 besungen. „Herr, du erforschst und kennst mich…“ Alle Angst muss weichen, wenn wir uns auf ihn richten.
Das Sterben Jesu hat reinigende, schmerzende, und versöhnende Bedeutung. Er leidet den Tod nicht, so, wie wir ihn erleiden, sein Sterben ist nicht Anteilnahme am menschlichen Schicksal ( das kann man derzeit überall lesen! ) sondern es ist mitten in der Bedrängnis unseres Lebens das schon aufscheinende Licht mitten in unseren Abgründen noch. Denn eben dieses Leben jetzt und hier wird auf seine Wahrheit und Lüge hin untersucht. Ja, es wird einiges sehr licht und erhellend. Für uns mit unserer „Brille“ vom Menschen her besteht der Schrecken völlig verkennend in der Nennung der Sünde. Da ist der Widerstand, Frust und alle sind vollkommen bedient: „Ach, hör doch auf mit Sünde“ Wir leben solange in der Finsternis als wir behaupten, wir haben keine Sünde. Welch ein Schock! Das Verkennende ist die Aufhebung alles Trennenden, aller Abgründe und Gräben von Gott her. Lüge heißt bei Johannes nicht einfach das, was es laut STGB ist, sondern Lüge ist, sich von Gott nichts sagen lassen zu wollen. Ich poche auf mir selbst. Mit der Leugnung von Sünde heben wir die gesamte Geschichte Gottes schlicht und einfach auf, wie wir sie in Christus sehen können. Keine Sünde zu behaupten, machte Gott zum Lügner. Mir ist klar, wie eine unüberlegte und volkstümelnde Redeweise in den Zuhörern Aversionen schüren kann. Wir Prediger sind zuerst daran schuld. Wir hätten dabei bleiben sollen: Sünde ist ein Abgrund, den der Mensch nicht überwinden kann, sondern nur von Gott her eine rettende Brücke findet.
Und das Ziel dieses Brückenschlages namens Christus Jesus ist uns heraus zu bringen aus der Angst und ihren verzweifelten Kreisläufen von Lüge, Sand in die Augen streuen, die probaten Ausreden von genetisch, erbbiologisch, sozialverflochten, tiefenpsychologisch, umweltbedingt, kindheitsverwoben, bis zu „keiner ist vollkommen“
Der Mensch als Selbstentschuldiger ist angeklagt. ( Gedicht Manfred Streubel )

Um einen Wechsel geht es. Ob wir in unserer eigenen Wahrheit leben und aus uns selbst heraus gerecht und heilig sind, vollkommen selbstgenügsam auch noch behaupten, das sei menschlich. Uns nicht mehr von Gott her sehen zu wollen macht in Wahrheit unmenschlich, kalt und brutal. Es erinnert mich an Petrus, der mit seiner ganz menschlichen Sicht rührend, voller Herzenswärme und Empathie Jesu Weg nicht gelten lassen will. Mt. 16, 23 Also meint, den Blickwechsel weg vom rein angeblich menschlichen zu Gottes Blick auf uns hin. Gott flucht nicht, Gott segnet. Ohne ihn nur sind wir Ausgelieferte.

III


Nehmen wir kurz ein anderes Beispiel, was gemeint ist: „Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis“ Der verlorene Sohn kann nicht mehr glauben, dass er wieder Sohn sein kann. ( Lukas 15 ) Tagelöhner seines Vaters ist die Hoffnung. Menschlich. Er meint, der Vater muss auf das, was zwischen ihnen geschehen ist, reagieren. Er schließt von sich auf den Vater. Des Sohnes Geschichte muss eine tiefen Schatten auf das Gesicht des Vaters werfen. Es kann nicht mehr licht und frei sein, wie es am Anfang war. Wir alle könnten nicht anders denken, wäre es uns nicht anders gesagt. „Finsternis ist nicht finster bei dir. Die Nacht leuchtet wie der Tag“ Ps.139, 12 Wir müssen uns selbst festmachen lassen an diesem rein menschlich verweigerten Entweder-Oder. Von uns aus stimmt das nicht, doch Gott ist nicht auch Finsternis; aber von ihm her stimmt es und nur von ihm her. Ansonsten könnten wir nur noch alles aus der viel gerühmten Glaubwürdigkeit der Kirche heraus bewahrheiten, dann verwechseln wir wieder unsere Wirklichkeit mit Gottes Wahrheit, dann wird wieder aus dem Evangelium eine bloße Weltanschauung und aus Jesus eine Religion und wir nerven einander, weil wir die viel benutzen sog. „christlichen Werte“ mit Christus selbst verwechseln. Dann sind wir ganz verklemmt darauf aus, nur die Zumutung zu hören: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, belügen wir uns selbst“ anstatt zu hören, das Trennende soll nicht mehr zwischen uns stehen. Nicht zwischen Gott und Mensch und nicht zwischen uns Menschenkindern.

V


Worauf läuft es denn hinaus? Das Trennung aufgehoben wird. Von Gott und Menschen durch einen Graben ( Sund ) getrennt - das ist der Tod. Die Beziehungslosigkeit, das versingelte, alleinige, asoziale, selbstige Leben – Gott nur kann es heilen. Und will es und hat es. Der Mensch wird Mensch VOR Gott und tritt ein in seine Wahrheit. Dass im Menschen zu finden ist und der Mensch nur noch in Gott meint mich. Ja, es ist möglich sich mit seinen Augen sehen zu wollen. Ich habe es gerade wieder geübt. Es ist möglich, entgegen allen theologischen Lügen, dies gehe gar nicht. Wer das will und sich danach seht, der glaubt. Wer sein Urteil annimmt, ist gerettet.