Bild "Willkommen:vab_jl2019-a4-mittext_300px.jpg"Gedanken zur Jahreslosung

Suche den Frieden und jage ihm nach. Psalm 34, 15


Liebe Gemeinde, beten habe ich durch vornehmlich drei Geschenke gelernt. Durch gute und durch abstoßende Vorbilder; beides zugleich hat mich gelehrt, meine Sprache und mein Schweigen zu erlernen, was spricht mich an und was ist mir stets fremd geblieben. Zum zweiten durch die Psalmen, denn dort stehen Sätze, die von ewiger Gültigkeit sind. (ich weiß, dass der postmoderne Mensch „ewige“ Gültigkeiten ablehnt, auch wenn sie von Gott kommen, weil der Mensch offenbar von sich auf Gott schließt.) Weiterhin durch ein 1974 erschienenes Buch, das in Deutschland ein vier Millionen mal verkaufter Bestseller von Jörg Zink ist: „Wie wir beten können“ und ganz gewiss auch durch beten selbst.
Die Jahreslosung stammt aus Psalm 34. Vom Shalom ist im gesamten Psalm die Rede. Er ist wie eine Meditation zum Thema „Der Frieden in der Gesellschaft und der im eigenen Herzen“ Untrennbar ist das. Der aufgeheizte Zustand unserer Welt, wo wir in den 90er Jahren zunächst aufatmeten, endlich sei der kalte Krieg vorbei, und nun bitter enttäuscht feststellen müssen, wie sich die Rüstungsexporte, militärisches Säbelrasseln mit Manövern vor den Grenzen der Gegner und wieder steigenden Rüstungsausgaben vonstatten gehen, haben unter anderem dazu geführt, dies Wort aktuell wieder in die Mitte zu rücken. Und wir selbst in den Gemeinden? Allenthalben wird mit traurigem Recht festgestellt, dass der Ton unter den Christen deutlich rauer geworden ist.
Dabei ist deutlich, wie das Thema Gerechtigkeit/Der Gerechte untrennbar vom Shalom ist. Ps.34,16.18.20.22 Frieden ist mehr als Waffenruhe. Etwas Umfassendes, dass nicht nur Teilbereiche einer Gesellschaft betrifft, sondern alles. Frieden soll zwischen Mann und Frau sein (man weiß nicht, ob man da heulen oder lachen soll) Frieden im Sozialen, Frieden zwischen den Generationen, Frieden mit den angrenzenden Ländern, Frieden in der Arbeitswelt, Frieden in der Familie, in der Versammlung der Gläubigen. Wer ist indes ein Gerechter? Der, der jetzt nicht über die anderen Friedlosen klagt, sondern der dem Frieden selbst nacheifert, der ihn sucht und Sehnsucht danach hat, selbst heil zu sein und nicht zerrissen. Suche ihn, das heißt, ermögliche es den anderen im Shalom zu leben. Genau so herum denkt die ganze Heilige Schrift. Frieden bloß für sich „haben“ ist auf Dauer nicht möglich. Der Frieden im Herzen will Gestalt gewinnen, muss greifbar werden im Zusammenleben, sonst wird er zur romantischen Lüge und das ganze Christentum zur Weltflucht-Religion: „Hauptsache ich für mich habe meinen Frieden in meinem Herzen. Das wäre weder Frieden noch Gerechtigkeit, sondern schlichter Heilsegoismus. Ohne Gerechtigkeit – sich ausstrecken nach Gott und sein Recht nicht beugen – wird kein Frieden. Ohne Frieden wird keine Gerechtigkeit, weil nur der zufrieden sein kann, dem Gerechtigkeit widerfahren ist. Jage dem Frieden nach, suche ihn auf – eine Sache, auf die Gott seinen Segen gelegt hat. Und wer diesem Segen glaubt, der hat, was er sagt. Als solche gefestigten Menschen können wir dann mit dem Wenigen beginnen, was wir schon verstanden haben. Nicht warten, einfach anfangen mit loslaufen!

In herzlicher Verbundenheit Euer Pfarrer Jörg Coburger