Ihr werdet meine Zeugen sein

Liebe Gemeinde,

mit dem Pfingstfest ist der Kreis der drei großen Christusfeste Ostern, Weihnachten, Pfingsten vollendet. Wieder einmal ist mit Pfingsten mit Himmelfahrt und dem Missionsauftrag Anfang mitten im Ende nach Jesu Weggang: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ So, wie das Osterfest nach Jesu Kreuzigung. So, wie zur Zeit der Heiligen Nacht die ganze antike Götterhimmel an die Vergottung des Menschen glaubte, und genau dort die Menschwerdung Gottes geschah. Unser Gott – der einen neuen Anfang ermöglicht und mit seiner Schöpfermacht selbst dafür sorgt. Eine oft erschöpfte und gescheuchte Kirche kann das wohl gebrauchen: Frischen Glauben, Zuversicht ohne Hysterie und verwegene Hoffnung. Wo alle noch zum Himmel starren geschieht der Geburtstag der Kirche. Wo sich viele ganz irdisch um die ganze Kirche und ihre Ortsgemeinde mühen und abrackern, nicht ohne, dass sich dabei der deutlich größere Teil bedienen lässt, schüttet Gott in warmen Gabenregen alles über das Land aus, was es für die Zukunft braucht. Wir sind eine reiche Kirche. Gott legt heilenden Geist auf die Seinen. Uns fehlt nichts an guten Gaben. Hier ist also kein Mangel.

Und aktuell? Wirtschaftliche Achterbahn und politische Geisterbahnen feiern fröhliche Urständ. Spekulanten treiben die Preise und begründen aber alles bis zum Klopapier mit Putin. (Soll ich weinen oder lachen?) Was ist los mit unserer Welt? Der große Bedroher im Osten beschwert sich, wenn die Skandinavier geradezu verzweifelt um Hilfe rufen, weil doch im Februar mit der Ukraine abermals deutlich Schwächere angegriffen worden waren: Der bedrohte Bedroher. Die Bibel würde solche Kriegsrethorik diabolisch nennen, als im deutschen: Die Wahrheit durcheinander werfend, sie verdrehend. Es ist für uns alle schwer geworden, den Überblick zu bewahren und durchzublicken. Aber mit Gottes Geist kann das gelingen. Ja, es macht Mühe. Zu jeder aufgeschlagenen Zeitung gehört eine aufgeschlagene Bibel. Das ist kein religiöser Zaubertrick, wo dann eine einfache Handformel – gar schwarz-weiß – herauskäme, aber das Chaos verliert seine Macht. Und wenn man vor den Angstmachern keine Angst mehr hat, bewirkt das Gottes guter Geist. Wir bekommen Klarheit, Wegweisung und Zuversicht. Gottes Geist („Pneuma“ im Griechischen) verhindert nicht erst nach Corona eine Pneumonie der ganzen Kirche. Denn wer einen Auftrag hat – ihr werdet meine Zeugen sein! – der hat auch Zukunft. Wir sind gesegnet und gesendet. Vor uns liegt ein komplizierter, aber lohender Weg!


In herzlicher Verbundenheit, Euer Pfarrer Jörg Coburger