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2. Advent 9.12.2018
Pfr. J. Coburger über Jesaja Jesaja 30,3-10


Visionen sind gefährlich!

Liebe Gemeinde, welch ein Jubel mitten in Angst und Finsternis noch. Visionen sind gefährlich. Für alle, denen es gerade so gefällt wies es ist und für alle, die sich in ihrer Traurigkeit und Erniedrigung eingerichtet haben, auch, denn Gott sagt uns etwas Neues an und er selbst sorgt dafür!

„Stärkt die müden Hände und machet fest die wankenden Knie.“
Das kennen wir schon aus der Beichte sonntags, bzw. aus dem Hebräerbrief ( 12,2 )
„Sagt den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht. Seht da ist euer Gott.     Er kommt zur Rache, und wird euch helfen. Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, und die Ohren der Tauben aufgetan. Lahme springen wie ein Hirsch, die Zungen der Stummen frohlocken. Denn die Wüste blüht und Ströme brechen hervor in dürrem Lande.
Merken wir, wie auf einmal etwas, was uns scheinbar bislang gar nichts anging, uns unmittelbar betrifft, nämlich die Sache mit dem dürren Land und den Wasserströmen, die wieder fließen. Alles ändert sich und so schnell kann es vonstatten gehen. Mit einem Male klingen Worte anders, neu frisch und überhaupt nicht mehr weit weg.

Das ist euer Gott. Gott richtet, indem er aufrichtet und wieder stark macht. „Rache“ bedeutet hier übrigens nicht draufhauen, sondern das etwas aus dem Fugen Geratenes wieder ins Lot gebracht wird. Was völlig aus der Waage ist, wird wieder ins Lot gebracht. Visionen sind gefährlich! Denn sie verlocken uns, wo wir aufgefordert werden, uns einzurichten. Die Bibel als Ganzes beschreibt nicht lediglich eine Welt wie sie eben ist, sondern offenbart uns, wie es sein könnte und kommen wird. Das passt den Angstmachern nicht, denn nichts fürchten sie so sehr, als das niemand mehr Angst vor ihnen hat.

Jesus zitiert das auch. Jesaja kommt bei am meisten vor. Aber als er Jesaja 35 im heutigen Evangelium ( Mt.11,1-6 ) zitiert, sagt er etwas was dort gar nicht steht: „Die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Die neue Zeit kommt nicht, sie ist schon da! Jetzt. „Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert“
Das bedeutet: Die Zeit der Entscheidungen ist da. Viele solcher biblischen Passagen kennen wir. ( Aussendungsrede Mt.10, 34ff und öfter )

Liebe Gemeinde, die Wüste blüht. Es ist an zwei Aspekte gedacht. Die soziale Wüste aus Hunger und Not und die geistliche Wüste. Alles immer nur „Im Herzen“ genügt den Propheten nicht. Verheißungen und Visionen werden Hand und Fuß, werden Fleisch und Bein- nicht erst in der Heiligen Nacht. Wo niemand mehr Wege findet, wird eine eben Bahn sein. Und kein Unreiner darf darauf gehen. Ausgleichende Gerechtigkeit, die unsere Welt längst in ihrer Klugscheißerei ohne Gott zu können meint, wird er in die Hand nehmen. Ein Frieden, höher als alle Vernunft. Kein Aug hat je gesehen, kein Ohr hat je gehört, solche Freude… Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und mit Jauchzen zum Zion pilgern. Die Diplomaten rufen „Gerechtigkeit“ und verschweigen alles Jüdische Historische immer mehr vom Zion in Jerusalem, um es dem Islam zu überlassen. Eine schlimme Entwicklung. Die neue Gerechtigkeit? Der Frieden, wie die Welt ihn macht.

Die soziale und die geistliche Wüste gibt es auch heute in unserem Land auch. Das sind die Frierenden und die Hungernden. Und da ist ein oft vollkommen sinnentleertes Weihnachtsfest, das die Satten und Verwöhnten begehen. Wo Weihnachten drauf steht, ist meist gar nicht Weihnachten drin.

Gott macht sich auf. Advent. Während sich der Mensch zu Gott macht, macht sich Gott zum Menschen. Seine Gegenwart ist alles. Er geht hinein ins selbst angezettelte chaotische Touwabohu. Die Wüste blüht. Während wir Gottes Schöpfung zur Wüste gemacht haben. Gott spricht heilende Worte. Wie am Tage der Schöpfung. Gottes „Es werde“ ist in Marias Leib. Advent bei Maria und Josef. Das Kind im Stall ist der neue Anfang. Für immer.

Verwüstete Hoffnung, Versteinerter Glaube.
Hoffnung - eine Industriebrache.
Alles Verschüttete, Vergessene, Verlorene,
Träume und Visionen - von Realismus kontaminiert,
vom Machbaren ausgehöhlt.

Wo ist denn euer Gott? Seht da ist euer Gott!
Ach, Gott, wenn du doch jetzt hier wärest!
„Und es wird dort eine Bahn sein.
Kein Unreiner hat dort Platz.
Ja, die Saubermänner müssen schweigen,
kein Platz mehr für Zyniker,
Spötter sind nicht mehr geduldet.
Der Hackordnung der Völker
wird der Garaus gemacht.
Und die immer nur abwinken, jauchzen jetzt.
Was uns auch blüht,
was wir auch wachsen hören:
Leben beginnt am toten wüsten Ort.
Fürchtet euch nicht!
Der Freude stehen Tor und Tür offen.
Die Wüste blüht.

Die Steppe jubelt.
Die versiegten Brunnen sprudeln wieder.
Der ausgetrocknete Rhein ist Badeort.
Die Zungen fluchen nicht mehr,
Augen frohlocken.
Hände erschrecken nicht mehr.
Die Gottvergessenen
stellen ihre Uhr nach den Gebetszeiten.
Die Tageszeitungen schießen nicht mehr.
Die Kaufhäuser machen Pause.
Die Kinder schlafen aus.
Mann und Frau benutzen einander nicht mehr.
Die Religion ist vom Geld befreit.
Am Stammtisch klingen fromme Lieder.
Die Fernseher schweigen.
Die Regierung hält inne, sie achtet den Shabbat.
Nazis können über sich selbst lachen.
Die atheistischen DDR- Wunden sich geheilt.
Christen und Muslime leben in Frieden.
Die Opportunisten outen sich als heimliche Beter.
Die Banken zählen nicht mehr.
Zeitverschwendung rechnet sich.
Die Starken tragen die Schwachen.
Die Machtgeilen schätzen die anderen.  
Keine Rakete vom Libanon.

Schon ist Tau über karstigem Land.
Noch wächst Grind über den alten Wunden.
Noch wirft sich das Gottesvolk an fremden Hals,
schon machen die Schatten lange Gesichter.

Seht, da ist euer Gott!
Gott war die ganze Zeit neben mir.
Und ich hatte ihn nicht gesucht.
Seht, da ist euer Gott! Endlich!
Advent. Endlich, endlich Advent.
Wer seine Gegenwart nur gelangweilt zur Erkenntnis nimmt,
wird erschrecken wie die Hirten,
wie Jesaja im Tempel,
wie Maria bei Gabriel,
wie die Frauen am Grab,
wie die Zuschauer bei Heilungen,
wie die Schriftgelehrten bei Jesu Predigten…
Ach, welche selige Stunde!
Seht, da ist euer Gott!
Im Stall zwischen Lumpen, Licht und Liebe.
Am Kreuz. Mit ausgebreiteten Segenshänden.
Am Tisch in Emmaus. Den Verzagten die Augen öffnend.

Und zu guter Letzt einmal rückwirkend auf Visionen geschaut.
So oft wird gesagt, dabei resigniert abwinkend, was habe sich denn seit dem Kommen Jesu geändert? Die Antwort dieser rhetorischen Frage gleich vorwegnehmend: Sowieso nichts! Die Welt sei immer die gleiche geblieben, die Menschheit lerne nichts etc. Langsam! Langsam! Schauen wir genau hin, wie viel sich geändert hat. Schauen wir allein z.B. in unsere Verfassung, den Lebensrythmus von Sonn- und Feiertag usw.
Ja, solches Reden geschieht, wenn keiner mehr die Zustände im alten Rom kennt.
Ahnen wir noch, wie sehr allein der diakonische Gedanke das Sozialwesen der ganzen Welt verändert hat. Dahinter zurück möchte niemand mehr von uns.

Oder: „Die Mauer steht in 100 Jahren noch!“ ( Honecker ) Ich gesteht, ich habe es in meiner politischen Verzagtheit geglaubt.

Oder bei der Geburt eines behinderten Kindes, verwachsene Hände, ob er laufen wird, kann niemand sagen, die Hochschule in Hannover, wo er sich nach klaren Erfolgen bewirbt, nimmt in nicht zum Studium an. Heute ist er dort Professor.

Nun, solche berühmten, spektakulären Beispiele – wieso darf es auch solche nicht geben? – geschehen nicht jeden Tag. Oder doch? Aber immer bricht Gott mit seiner Wirklichkeit ins Sichtbare und ins eher Verborgene und Verdeckte des Alltags hinein. Beim Zähneputzen, im Schlaf, beim Küssen, vor dem Steuerbescheid, kurz vor einem Autounfall.

Da habe sich angeblich nichts aus ehemaligen Visionen und Verheißungen geändert?
Und immer wenn es keiner ahnte, niemand mehr glaubte, brach etwas auf. Typisch Gott.